Rechtsanwältin Ermiştekin
Anwaltskanzlei für Familienrecht und Arzthaftungsrecht 

Erbrecht-Türkisches Erbrecht

Im Hinblick auf Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft (deutsch/türkisch) wirft das türkische Erbrecht eine Reihe besonderer Fragen auf.

Ich werde Ihnen erläutern, wie sich Ihre erbrechtliche Situation sowohl in Deutschland als auch in der Türkei gestaltet und mit welchen Problemen Sie in den beiden Rechtskomplexen konfrontiert werden könnten.

Einige Grundzüge des türkischen Erbrechts werden Ihnen nur zur groben Orientierung im Folgenden dargestellt.

Das internationale Privatrecht wird durch staatsrechtliche Regelungen und zwar dem Konsularvertrag aus dem Jahre 1929 zwischen dem Deutschen Reich und der Türkischen Republik verdrängt.
Daher wird der Grundsatz der Nachlasseinheit durch den der Nachlassspaltung
durchbrochen.

Die Rechtsnachfolge von Todes wegen bezüglich beweglicher Güter (z.B. Guthaben auf Bankkonten) richtet sich nach dem Heimatrecht des Erblassers – also jenem Recht, dem der Verstorbene im Zeitpunkt seines Todes angehörte. Der unbewegliche Nachlass (z.B. Haus, Wohnung, Grundstück) wird hingegen nach dem Recht des Belegenheitsortes der Immobilie beurteilt. Die Erbfolge bezüglich eines in der Türkei belegenen Immobiliarvermögens richtet sich somit nach türkischem Recht.

Nach einem Todesfall stellt sich für die Angehörigen des türkischen Erblassers die Frage, ob sie in Deutschland und/oder in der Türkei einen Erbschein beantragen sollen.

Wichtig für die Beantwortung dieser Frage ist zunächst zu klären, ob der türkische Erblasser bewegliches oder/und unbewegliches Vermögen in Deutschland oder in der Türkei hinterlassen hat.

Folgenden Konstellationen sind denkbar:

  1. Wenn ein türkischer Staatsangehöriger verstorben ist und in Deutschland unbewegliches Vermögen hinterlassen hat, benötigen die Erben zum Nachweis ihres Erbrechtes in Deutschland nach dem Nachlassabkommens einen deutschen Erbschein.
    Welches Gericht für die Antragsannahme zuständig ist und welche Unterlagen erforderlich sind, können Sie von mir auf Anfrage erfahren.
  2. Wenn ein türkischer Staatsangehöriger verstorben ist und in Deutschland ausschließlich bewegliches Vermögen hinterlassen hat, genügt nach dem Nachlassabkommens zum Nachweis des Erbrechtes in Deutschland ein türkischer Erbschein.
    Wie bei allen ausländischen Urkunden der Fall, muss dieser um in Deutschland anerkannt zu
    werden, beglaubigt werden.

Aus den obigen Beispielen wird die Nachlassspaltung sichtbar. Auf ein und denselben Erbfall sind verschiedene Rechtsordnungen anzuwenden.

Für den Ratsuchenden ist die Anwendbarkeit der verschiedenen Rechtsordnung sehr verwirrend. Sollten Sie in einer ähnlichen Situation stecken, wenden Sie sich an mich.